"Stress beginnt im Mutterleib

Hat die Mutter in der Trächtigkeit Stress,wird das Stresshormon Kortisol aus der Nebennierenrinde ausgeschüttet. Dieses fettlösliche Hormon ist plazentagängig, das heißt, es kann in die Welpen gelangen. Und dort hinterläßt es Spuren. Die Veränderungen in der Verhaltensentwicklung, die der Welpe vorgeburtlich erfährt, sind also nicht durch Lernerfahrungen bedingt, sondern laufen auf hormoneller Ebene ab. Dies passiert vor allem im letzten Drittel der Trächtigkeit, die beim Hund normalerweise 63 Tage dauert. Die Folgen sind fatal, da sie sich direkt auf das Stresszentrum der Welpen auswirken. Denn das Stresszentrum im Welpenhirn wächst mit seinen Aufgaben, sprich je mehr Kortisol über die Mutter darauf einwirkt, desto größer und reaktiver wird es. Und das bleibt ein Hundeleben lang so.

Dieses Stresszentrum im Gehirn der Welpen hat wiederum direkte Verbindungen zur Nebenniere, die die Stresshormone produziert. Das sind die Hormone Kortisol (Nebennierenrinde) und Adrenalin und Noradrenalin (Nebennierenmark).

Diese beiden Stresshormonsysteme bleiben ein Hundeleben lang leichter erregbar als bei Hunden, die diesen vorgeburtlichen Einflüssen nicht ausgesetzt waren. Hunde mit solch einer Vorgeschichte reagieren also unter Umständen ihr Hundeleben lang viel heftiger auf kleinste Stressoren, die für einen Hund nicht der Rede wert sind, wenn er diese vorgeburtlichen Einflüsse nicht hatte."

 

"Anfälliger für Krankheiten

Die vorgeburtliche Stresshormon-Flut hat auch andere Auswirkungen: zum einen sind die Welpen weniger widerstandsfähig gegen Infektionen, weil Kortisol das Immunsystem unterdrückt. Zum anderen senkt es bei der Mutterhündin den Spiegel des Schwangerschaftshormons Progesteron, das für die Aufrechterhaltung einer Trächtigkeit notwendig ist. Die Folge ist, das die Welpen im Mutterleib schlechter versorgt werden. Tatsächlich findet man bei Welpen von dauergestressten Hündinnen oft geringere Geburtsgewichte, und die Kleinen erreichen auch nicht die Tagesgewichtszunahmen, die Welpen von stabilen und ungestressten Hündinnen erreichen.

Man weiß, dass aufgrund des vorgeburtlichen Stresses der Mutter bzw. bei einer in den ersten Lebenswochen der Welpen überforderten, weil unerfahrenen oder gestressten Mutter, weniger Bindungsstellen, sogenannte Rezeptoren, für das Bindungshormon Oxytocin im Welpen angelegt werden. Also hat der Zustand der Hundemama rund um den Geburtszeitpunkt und in den ersten Lebenswochen direkten Einfluss auf die Bindungsfähigkeit der Hunde. Das Oxytocin hat zugleich stressdämpfende Wirkungen, es ist also ein Gegenspieler der Stresshormone."

Zitat Sophie Strodtbeck - Auszug aus ihrem Buch "Reise durchs Hundeleben - vom Welpen zum Senior"

Ein Buch das sich für jeden Hundehalter lohnt zu lesen